Die neuen Neonazis, Teil 1

September 10, 2008 at 12:22 pm Hinterlasse einen Kommentar

Heute startet eine mehrteilige Serie zum Thema autonome Nationalisten. Den Text und das Interview hatte ich ursprünglich für meine Zeitung geschrieben, allerdings ist er wegen tagesaktueller Ereignisse nicht erschienen.

 Militant und politisch

Nach den schweren Mai-Krawallen in Hamburg rücken die „Autonomen Nationalisten“ in den Fokus von Polizei und Öffentlichkeit. Die Gruppe gilt als extrem gewaltbereit und nutzt linke Symbole.

Aufmarsch autonomer Nationalisten in Dresden im Februar 2008.

Sie liefern sich blutige Straßenschlachten mit Linken („Zecken“) und Polizisten („Bullen“), gehen aber auch mit den eigenen Neonazi-Kameraden wenig zimperlich um: die Autonomen Nationalisten (AN). Der Bundesverfassungsschutz widmet ihnen in seinem aktuellen Bericht mehrere Seiten. Etwa zehn Prozent des Personenpotenzials der Neonazi-Szene werden ihnen zugerechnet. Experten warnen vor dieser besonders gewaltbereiten Gruppierung, die spätestens seit den Gewaltexzessen bei den Hamburger Mai-Demonstrationen 2008 gezeigt hat: Neonazis sind längst nicht mehr ausschließlich Kahlrasierte mit Bomberjacken und weißen Schnürsenkeln. Die AN treten auf mit Schlabberhosen, Kapuzenpullis und Baseball-Mützen ­ oft wie linke Autonome in einem schwarzen Block formiert. Durch das bewusste Verwenden gegnerischer Symbole, etwa die der Antifaschisten Aktion (Antifa), verunsichern sie nicht nur die Linken sondern auch die Polizei.

Was die Experten jetzt besonders aufschreckt: Früher hätten es Rechtsextreme wegen ihrer ideologischen Autoritätshörigkeit vermieden, die Staatsmacht selber anzugehen. Genau dies gehöre aber spätestens seit Hamburg der Vergangenheit an, meint der NRW-Landtagsabgeordnete Karsten Rudolph, der für die SPD im Innenausschuss sitzt. „Was wir bei den Krawallen in Hamburg gesehen haben, hatte eine ganz neue Qualität“, urteilt er. „Früher beschränkten sich die Auseinandersetzungen vor allem auf Nazis und Gegendemonstranten. Dass jetzt auch die Polizei angegriffen wurde, ist neu.“

Gewalt und Randale seien sehr zentral bei den rechten Autonomen, erklärt Frank Farin vom Berliner Archiv der Jugendkulturen: „Da heißt es: ,Lasst uns erst mal Zecken und Bullen klatschen und anschließend gibt’s noch eine Fete mit Freibier.'“ Doch genau dort sieht Farin auch eine natürliche Grenze: „Bei der Gruppe geht es primär um das Ausleben von Gewalt. Die Mehrheit aller Jugendlichen – egal ob links oder rechts – lehnt die aber kategorisch ab. Deshalb sind die AN lediglich ein verzweifelter Versuch der Neonazis, modern zu wirken.“ Doch eben diese Randale sei das einzige Mittel, mit dem die Gruppierung von der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Innenexperte Rudolph hält es deshalb für denkbar, dass das Vorgehen der AN künftig noch brutalere wird.

Mehr im zweiten Teil der Reihe „Die neuen Neonazis“

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